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Fasnet im Spiegel der Wissenschaft

"Häs Obed" geht der Herkunft des närrischen Treibens auf den Grund

War es im vergangenen Jahr die Vielfalt Villinger Maskenschnitzkunst, die Maschgere und Mäschgerle in großer Zahl zu einem Schemeobed im Jägerhaus zusammenführte, so war in der vergangenen Woche das Narro-Häs Thema eines Häsobed an gleicher Stelle.

Dabei ging es der veranstaltenden Narro-Gruppe nicht um die Bewertung der Qualität der zahlreichen Exemplare, die wie an der Wäscheleine im Nebenzimmer aufgehängt waren, sondern eher darum,einmal einen kritischen Blick außerhalb des Fastnetstrubels, wo die Akteure ganz andere Gefühle bewegen, auf das Häs zu werfen.

Dabei konnten zwei von Herrmann Fischer (gestorben 1953) gemalte Häser als Maßstab gelten, ein etwa 100 Jahre altes Exemplar zeigte, wie es die alten Meister mit dem Malen gehalten habe.

Bei einer Veranstaltung der Narro-Gruppe Haas durfte aber auch etwas zur wissenschaftlichen Deutung der schwäbisch-alemannischen Fasnet erwartet werden dürfen.

Unterschiedliche Deutung

Die noch immer unterschiedlichen Deutungsansätze lassen sich am Häs wesentlich besser festmachen als zum Beispiel der Narroscheme. Und tatsächlich macht es ja einen großen Unterschied, ob der Bär auf der Narrohose aus christlicher Zeit den Teufel verkörpert oder im steinzeitlichen Kult.

Und es dürfte für die Bewertung der Villinger Fastnacht schon einen Unterschied machen, ob es tatsächlich eine Kontinuität gibt von den Riten der alemannischen Vorfahren bis zum heutigen Fastnachtsbrauchtum, oder ob das, was heute Fastnacht heißt, seinen Ursprung im christlichen Kalender hat und seine Villinger Wurzeln vielleicht bei den Franziskanern zu suchen sind.

In der wissenschaftlichen Volkskunde mit den Exponenten Werner Metzger, Dietz-Rüdiger Moser oder dem früh verstorbenen Jürgen Leibbrand ist die zweite These inzwischen weitgehend Standard, während man im "fastnachtsoffiziellen" Villingen - will heißen: bei der Narrozunft - nach wie vor an der Kontinuitäts- und Winteraustreibung festhält. Ehrenzunftmeister Karl-Heinz Fischer hat erst jüngst in einem Beitrag im Jahrbuch des Geschichts- und Heimatvereins nicht den geringsten Zweifel an dieser Theorie aufkommen lassen.

(Text)