Herzlich Willkommen bei der Arbeitsgemeinschaft Villinger Fasnet. Seit über 30 Jahren
haben wir uns zur Aufgabe gemacht, das Brauchtum der Villinger Fasnet mit Beiträgen
und Veranstaltungen zu bewahren und zu fördern.


 
 

Schemeobed 2020

Sie halten die Tradition wach


Der 30. Schemeobed der Arbeitsgemeinschaft Villinger Fasnet war erneut ein Publikumsmagnet.Was vor dreißig Jahren mit einer kleinen Privatveranstaltung in überschaubarem Rahmen mit rund zwei Dutzend Schemen anfing, hat sich mittlerweile zu einem Höhepunkt in der Villinger Vorfastnachtszeit gemausert.
Manfred Hermle eröffnete den Abend mit einem Juchzger und hieß alle Häsmoler, Schemenfasser, Rollenfasser, Schnitzer und Handwerker willkommen.
Karl Hoch ging in seinem Eröffnungsvortrag speziell auf das Jahr 1920 ein, in dem es ein Fasnetverbot zumindest für Erwachsene gab. Doch man sollte sich täuschen, denn nicht nur Kinder gingen ins Häs, vielmehr kam mancher Narro über Nacht in den Stimmbruch oder wuchs vom einen Tag auf den anderen um 30 Zentimeter.
In seinem kritischen Beitrag zum Thema „Narrostüble“ ermahnte Hoch jede Maschgere, sich auf die Wurzeln zu besinnen, denn die Fasnet sei kein Schaulaufen, sondern ein Fest, das seit Jahrhunderten Bestand hat. So hob Hoch auch den Finger, als er von Situationen berichtete, bei denen Narros der Zugang zu einem Stüble verwehrt wurde, weil sich eine fremde Guggemusik gewaltsam Zutritt in dieses verschaffen wollte. Dies sei nicht in der Tradition eines Narrostüble, dass Nicht-Maschgere Zutritt gewährt bekommen, was von den Gästen mit reichlich Applaus bedacht wurde.
In einem weiteren Vortrag stellte de „Hoche-Karle“ das Leben und Wirken des Uracher Holzbildhauers Otmar Kleiser vor. Kleiser schnitzte mehrere hundert Schemen für die Villinger Fasnet, besonders geschätzt waren seine Surhebel und Murbeleschemen. Ein Hingucker war an diesem Abend eine Portrait-Scheme mit imposantem Bart, die Otmar Kleiser nach einem lebenden Vorbild schnitzte. Sogar seinen eigenen Grabstein schnitzte sich Kleiser selbst.
Das Thema Kunststoff-Schemen erläuterte Manfred Hermle in Wort und Bild. Er konnte drei Hersteller von Kunststoffmasken ausfindig machen: Paul Voigt, Gerhard Kapp und Josef Schneider. Diese drei wollten Masken erschwinglicher machen und wagten sich deshalb an Kunststoffschemen heran, jedoch stellte sich dabei heraus, dass man mit diesen Masken nicht strählen konnte, weil sie keinen Resonanzboden bilden können. Masken aus Plastik werden heute noch von einzelnen Wueschte getragen. Hermle stellte klar, dass Kunststoffschemen eigentlich nichts an der historischen Villinger Fasnet zu suchen hätten. Eine Scheme ist aus Holz und damit solle es bleiben.
Einen Höhepunkt bildete ein Altärle mit mehreren Schemen des Rokoko-Künstlers Josef Anton Hops, dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 300. Male jährt. Hops, gebürtig aus Mietingen in Oberschwaben, erwarb 1748 das Villinger Bürgerrechet, erklärte Jürgen Fauth. Ein Jahr später heiratete Hops eine Witwe aus der Villinger Künstlerdynastie Schupp und führte deren Bildhauerwerkstatt weiter. Da die Schupps bereits Masken für die Villinger Fasnet hergestellt hatten, kam Hops zwangsmäßig auch mit der Maskenschnitzkunst in Berührung. Mindestens fünf Schemen konnte Fauth dem Schnitzer Hops zuordnen. Sie durften in der anschließenden Schemenrunde bestaunt werden.
Der Bräunlinger Häsmoler und Schemenfasser Elmar Dold dokumentierte filmisch über einen längeren Zeitraum den Werdegang einer Villinger Scheme von der Leimtränke bis zum Lack. Einen unfertigen Schemenrohling aus dem Nachlass eines Villinger Schnitzers führte Dold zu Ende. Anschließend brachte er die Fassung auf, die Bemalung, und zwar in der Art und Weise, wie es die Fassmaler um 1600 durchgeführt hatten. Dold kam auf insgesamt achtzehn Arbeitsschritte: über Herstellung der Leimtränke, dem Zubereiten und Auftragen des sog. Kreidegrundes bis hin zur letzten Lackierung. Ein Bild eines Querschliffes in 100-facher Vergrößerung zeigte den erstaunten Zuhörern, wie sich die verschiedenen Schichten einer Fassmalung aufbauen - ein Bild, das bisher so noch nie gezeigt wurde und nur durch den Einsatz eines speziellen Analysemikroskopes in einer Fachfirma aufgenommen werden konnte.
Harald Schmidt erzählte im letzten Vortrag des Schemeobed von der fast dreißigjährigen Tätigkeit der Villinger Kragenmacherin Irmgard Langenbacher aus der Turmgasse 5, welche 2019 verstorben ist. Irmgard Langenbacher begann 1958 Kragen zu machen, als Josephine Fürst eine Nachfolgerin suchte, so Schmidt. Gemeinsam mit ihrem Mann Karl fertigte sie jedes Jahr ab dem 27. Dezember Krägen nicht nur für den Villinger Narro, sondern auch für die Glonkis, die Triberger Teufel sowie für die Katzenzunft Messkirch. Langenbacher, die auch Gründungsmitglied der „Rietvögel“ war, übte zudem viele Jahre das Amt der „Katzemotter“ aus. Ihren „Riet-Orden“, ihre Murbele-Scheme sowie die allererste Faltenmaschine aus Holz konnten an diesem Abend gezeigt werden.
Bevor sich Manfred Hermle bei den weit über 250 Gästen mit einem kräftigen „Juh hu hu“ für den Besuch beim Schemeobed bedankte, konnten in einer zweiten Schemenrunde Masken aus allen Stilepochen gezeigt werden.

 

Die Arbeitsgemeinschaft Villinger Fasnet trifft sich regelmäßig zum Stammtisch am ersten Freitag des Monats im Gasthaus Sudhaus am Münsterplatz.