Herzlich Willkommen bei der Arbeitsgemeinschaft Villinger Fasnet. Seit über 25 Jahren haben wir uns zur Aufgabe gemacht, das Brauchtum der Villinger Fasnet mit Beiträgen und Veranstaltungen zu bewahren und zu fördern.


 
 

Im Riet sind viele Schemen entstanden

 

200 Besucher beim diesjährigen Schemeobed: Viele Geschichten rings um Familie Hupfer

 

Schemen von Siegfried Hupfer. Bild: Roland Dürrhammer

 

De Stumpe Schriiner Hermann Hupfer als Narroscheme, geschnitzt von seinem Sohn Siegfried Hupfer.
Bild: Roland Dürrhammer

 


Mit einem "Juh-hu-hu" begrüßte Manfred Hermle von der Arbeitsgemeinschaft Villinger Fasnet die gut 200 Besucher im Münsterzentrum zum Schemeobed 4.0. Vor über 25 Jahren trafen sich acht Narros in der Oberen Straße überm Cafe Raben und jeder hatte seine Scheme mitgebracht. Auf einem Holzbrett hatte man die Schemen befestigt. Spannende Geschichten über Schnitzer, Schemefasser und Häsmaler wurden erzählt, und damit war die Idee geboren, das Brauchtum der Villinger Fasnet mit Beiträgen und Veranstaltungen zu bewahren und zu fördern. Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft, als lockere Zusammenkunft für Menschen, die an der Villinger Fasnet interessiert sind, treffen sich immer am ersten Freitag im Monat um 20 Uhr im Gasthaus Sudhaus.
Der diesjährige Schemeobed stand ganz im Zeichen des Riets. Es ging um die Schreinerfamilie Hupfer, den Häs- und Fassmaler Walter Gentner und die Rietvögel, die es schon seit 60 Jahren gibt. Karl Hoch berichtete über die Zeit zwischen 1843 bis 1893, als die Schemen noch Larven hießen und die Polizei das Narrenlaufen fünf Wochen vor der Fasnet nicht verhindern konnte. Viele Geschichten, Bilder und historische Filmaufnahmen gab es rund um die Schreinerfamilie Hupfer. "Siegfried Hupfer mit Familie hat trotz schwerer Bedingungen den Weg ins Münsterzentrum gefunden", begrüßte Hoch die Familie. Siegfried Hupfer sei ein original Rietgewächs, so Hoch weiter. "Vier Tage ist er in der dritten Klasse der Volksschule gewesen, dann kam er in die Vierte." 1959 wurde Siegfried Hupfer Schreinermeister und hat 1978 den elterlichen Betrieb übernommen. Heute führe sein Sohn Peter Hupfer den elterlichen Betrieb weiter. Zum Schemenschnitzen sei er über Roman Hupfer, den Feldhüter von Nordstetten gekommen, klärt Karl Hoch die Besucher auf.
"1968 hat er seine erste glatte Scheme geschnitzt." Danach habe Hupfer bis 2005 ein bis drei Scheme im Jahr hergestellt. Verwendet hat er für seine markanten und handwerklich perfekten Schemen ausschließlich Lindenholz aus dem Elsass. Der Alltag eines Schemeschnitzers war hart: Im Herbst und Winter wurden ab 22 Uhr die Schemen geschnitzt und vor der Fasnet die Narrosäbel. Doch ins Häs sei er nie gegangen, sein Platz sei in der Miliz gewesen, berichtet Karl Hoch über Siegfried Hupfer. "
Das Konterfei seines Vaters, Hermann Hupfer, bekannt auch als Stumpe Schriiner, hat er als Scheme verewigt, markant mit dem Stumpen im rechten Mundwinkel. "Tolle Filmaufnahmen und Bilder mit dem Stumpe Schriiner als Rietburgermoaschter und Milizhauptmann erinnern an die Fasnet in den sechziger und siebziger Jahre", berichtet Hoch.
Frank Ummenhofer und Peter Haas berichteten in einem unterhaltsamen Vortrag über 60 Jahre Rietvögel, natürlich mussten alle Besucher das Rietvogellied mitsingen, begleitet von Frank Ummenhofer an der Drehorgel.
Zum Abschluss gab es die große Schemenrunde. Besucher brachten ihre Schemen für diese Ausstellung mit. Privatsammlungen, die bislang noch nie in der Öffentlichkeit ausgestellt wurden, und Schemen, die man auch beim Umzug nicht sieht, beeindruckten die Besucher, unter denen sich auch zahlreiche Schemenschnitzer befanden. Sehr dankbar zeigte sich Koch für die Leihgaben. "Von allen, für alle, so können wir das Brauchtum bewahren und immer mehr über die Geschichte der Villinger Fasnet erfahren und in den Vorträgen weitergeben", sagt Karl Hoch.

Südkurier vom 22.1.2018

 

Die Arbeitsgemeinschaft Villinger Fasnet trifft sich regelmäßig zum Stammtisch am ersten Freitag des Monats im Gasthaus Sudhaus am Münsterplatz.