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Die Kontinuität ist ungebrochen

Gut besuchter Schemeobed im Villinger Jägerhaus - 100 besondere Stücke

In vielfältiger Weise nähert man sich derzeit in der Zähringerstadt den hohen Tagen. Während die Narrozunft mit ihrer jüngsten Austellung in der Deutschen Bank eher Außenstehende ansprechen, auch Schülern das Brauchtum näherbringen will, waren es am Freitagabend eher die Insider, die mit der Tradition besonders verwurzelten, die sich in lokaler Runde, ohne jeden offiziellen Anspruch im Jägerhaus zu einem Schemeobed trafen.

Über 100 Exemplare Villinger Maskenschnitzkunst, von der Barockzeit bis hin zu den jüngsten Schnitzern der Gegenwart, ließen die über 80 Besucher eintauchen in die Brauchtumsgeschichte und waren gleichzeitig beeindruckender Beleg dafür, daß die Kontuinität in diesem Teilbereich Villinger Brauchtums in einem Zeitraum von über 250 Jahren ungebrochen ist.

Zwei Unbekannte Meister aus der Zeit um 1720, Dominikus Ackermann (Ölmüller), Wilhelm Sieber, Robert Neukum, Eugen Wiedel, Friedrich Moser und Manfred Merz - vielmehr Exemplare so herausragender Maskenbildnerkunst an einer Wand zu vereinen ist kaum möglich. Fast ein wenig ehrfürchtig steht man vor den Kunstwerken, das jedes für sich ein Stück Villinger Geschichte erzählen könnte. Und man traut sich nur etwas verschämt zu konstatieren, daß einem nicht jeder alte Meister gefällt. Aber auf "Schönheit" ist früher offenbar ohnehin weitaus weniger Wert gelegt worden als heute. So zeigt selbst die Ölmüller - Murbele - Scheme (vermutlich die einzige, die Ackermann geschnitzt hat) eine verhärmte alte Frau, ganz ohne die schelmischen Züge, die spätere Murbele Schemen, insbesondere duch Neukum und Manfred Merz inspiriert, zeigen. Selbst bei den so genannten glatten Schemen, wo dem Schnitzer nur wenig individuelle Freiheit bleibt, konnten die alten Meister längst nicht immer die hohen Ansprüche erfüllen, die ein Ackermann geweckt hatte. Und schön waren gewiß auch nicht die Schemen aus Pappmache`, die in den 20er Jahren aufkamen. Aber sie erfüllten ihren Zweck: Ihr Träger konnte auf die Fasnet gehen.

Der Schemeobed zeigte auch Werke der derzeit neben Manfred Merz aktiven und von der Zunft empfohlenen Schemeschnitzer von Karl Bösinger und Siegfried Hupfer über die Brüder Wolfgang und Otmar Kleiser bis zu Siegfried Sturm und Traugott Wöhrlin, der unter den Besuchern des Schemeobed war und einige seiner Erstlingswerke an diesem Abend wiedersah.

Aber schon schicken sich neue Schnitzer an, in die Fußstapfen der "alten Meister" zu treten: Christoph Ebert, Martin Münzer, Udo Kiffe, Matthias Schmiechen und Bernhars Weißhaar sind einige Namen, von denen man sicher noch hören wird.

Einig waren sich die Besucher am Ende eines langen Abends in der Beurteilung: "Schemeobende in überschaubarem Kreis und ohne jeden offiziellen Anspruch sollten in Villingen eine Zukunft haben.

Wolfgang Gerster

(Text)