Anfang // Themen// Schemeobed 2025
 

 

                                                               Der Narrovater



                                               Jaag 2025


Die Fragen stellen sich: Woher kommt der Name Narrovater, was hat er mit der Fasnet zu tun und wo finden wir ihn auf der Villinger Fasnet? Dem wollen wir nachgehen.

Die Begriffe wie „Lieb Vaterland, Vater der Nation, Mutter der Kompanie, Narreneltern, Narrenvater, Narrenmutter und Narrovater“ kennen die Meisten. Man sagt es ist der Oberbegriff für ein Schutzpatron, der Chef im Ring.
Die Narreneltern, Narrenvater oder Narrenmutter finden wir an der Fasnet im Bodenseeraum z.B. in Überlingen,Radolfzell, Markdorf usw. In unserer Region z.B. in Donaueschingen, Bräunlingen, Hüfingen, Rottweil und Oberndorf.
Schauen wir an den Rhein z.B. in Mainz oder in Köln gibt es den Prinz Karneval. Dort sagen die Narren der Prinz ist das Oberhaupt der Narren.
Bei uns in Villingen gibt es kein Narrenvater sondern ein Narrovater. De Narrovater ist das Oberhaupt der Villinger Narros.



Zum erste Hinweis zum Narrovater schrieb Albert Fischer „Aus Villingens Vergangenheit 1914“:


1750 Fasnetvergrabe am Aschermittwoch.
„Die Leichenordnung war folgende: zuerst kam der Standartenträger, der einen kleinen ausgestopften Wuescht an der Stange trug, dann kamen die Totengräber mit Pickeln, Hauben und Schaufeln, dann die Träger mit einer Bahre, dann der Narrovater, schwarz bekleidet mit tadellosem weißem Hemde mit dem Tagebuch unter dem Arm tragend. Dem Narrovater folgten wehklagend die übrigen Narros, den Schluß des Zuges bildete die Narrenmutter, die in herzzerreißendem Wehklagen und Zähneknirschen folgte“.

1839 kommt der nächste Hinweis aus Donaueschingen mit der Titelvignette „Apotheose des Narrenvaters“, Vergöttlichung des Narrenvaters am Fasching Montag.

1857 Umzug: Narren Hofstaat in Donaueschingen
Der Narrenvater in der Prunkkutsche mit Gretel beim Umzug

1857 Carnevals-Zug der Gesellschaft Frohsinn Donaueschingen
An der Zugspitze des Umzuges sitzt ein Hansel auf dem Pferd mit der Umzugs-Fahne. Dahinter folgt eine Schar Hansel.

1860 Radolfzell
Der Narrenrat der Narrengesellschaft „Narrziella Ratoldi“ mit Narrenmutter. Die Narrenmutter mit einer glatten Villinger Scheme. Eines der frühesten Fotos einer Villinger Narroscheme.

1867 schrieb die Gesellschaft „Narrhalla“ in Villingen in einem Gedicht im 2. Vers: „Der Vater der Narren regiert auf Erden….“.
Die Gesellschaft „Narrhalla“ war in Villingen eine Fasnetorganisation vor der Narrozunft.

1873 Villingen
Der Narrenvater ladet in einer Zeitungsanzeige Hansel mit und ohne Gretel zur Besprechung ein.




                                                             Der Suribel

Jeder Suribel ist wie jeder weiß ein „individuelles Gesicht“. Josef Liebermann schrieb im Aufsatz von 1934 in „Villinger Fasnachtsmasken“:
„Einen der schönsten Suribel, den die Stadt jemals besessen hat, stammt vom Bildhauer Josef Ummenhofer genannt Bregl (1813 – 1891). Er gehört zu den besten Leistungen heimatlicher Maskenkunst. Die „Zacherlies“ von 1880“. Diesem Urteil schloss sich unter anderem auch Hans Brüstle an.

Manche Schnitzer schnitzten die Suribel nach menschlichen Vorbildern oder wurden nach dem Namen des ersten Besitzers benannt. Die Schnitzer waren Autodidakten. So auch Josef Ummenhofer.


Bertachten wir folgende Suribel, nach den Gesichtspunkten wer ihn geschnitzt (Schnitzer) und wann die Scheme gefasst (Fasszeichen) wurde:
• Der "Schloßbur" Fasszeichen G. Fischer 1850, 1865 oder 1876
• Der "Weberigel" (Museum in Binche) Fasszeichen G. Fischer 1859
• Der "Stachelfranz" geschnitzt von J. Ummenhofer Fasszeichen G. Fischer 1874
• Die "Zacherlies" geschnitzt von J. Ummenhofer Fasszeichen G. Fischer 1876
• Der "Narrovater" 1. Fasszeichen G. Fischer 1887

Betrachtet man die Jahresangaben genauer, also zwischen 1850 und 1887, dann fällt auf, dass es die Schaffenszeit vom Josef Ummenhofer war. Dominikus Ackermann (Ölmüller) lebte 1779 bis 1836.



                                          Narrovater original (Franziskaner Museum)


               Narrovater 1. Fassung                         Narrovater 2. Fassung

                               
                        1. Fassung                                                       2. Fassung


Die Narrovater-Scheme wurde zweimal gefasst. Die 1. Fassung 1887 von Gustav Fischer und die 2. Fassung 1925 von Hermann Fischer.


Merkmale der Scheme: Die Augenbrauen sind gemalt sowie die Form des Bartes

Der Gesichtsausdruck sowie der Bart wurden damals von Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben entnommen. Ein Bart war zu damaliger Zeit Zeichen der Macht, er symbolisierte Stärke und Männlichkeit.
Von der Jahreszahl der 1. Fassung 1887 von Gustav Fischer und die Form des Bartes nach menschlichem Vorbild, so wie der Schnitzer zu dem Gesichtsausdruck gekommen ist, lassen stark auf Josef Ummenhofer (Bregl) schließen.


                                                         Narrovater (Bäcker Haas)



                           Narrovater Haas 1. Fassung                      Narrovater 1925

                                                  
                                 1. Fassung                                         2. Fassung


Die Scheme wurde auch zweimal gefasst. Die 1. Fassung hatte ein unbekanntes Fasszeichen. Die 2. Fassung fasste 1925 Hermann Fischer.

Merkmale der Scheme: Die Augenbrauen wurden geschnitzt der Bart ist buschig. Die Scheme hat keine Schnitzersignatur.

Die Scheme hielt man jahrelang unter Verschluss und es war verpönt, sie an der Fasnet zu zeigen.


 
                               1925 Rat Narrozunft  



Das Bild zeigt 1925/26 den Rat der Narrozunft. Im Hintergrund sieht man die Portraitscheme vom Zunftmeister Benjamin Grünninger. Friedrich Moser schnitzte die Scheme 1920. Sie hat die Signatur FM. Daneben die Narrovater - Scheme 2. Fassung mit geschnitzten Augenbrauen und buschigem Bart.
Die schnitzerischen Ähnlichkeiten der Narrovater-Scheme mit der Grünninger-Scheme sowie der Kasper Seppel Scheme, die auch Moser geschnitzt hat, lassen darauf schließen, dass diese Narrovater-Scheme Friedrich Moser schnitzte.
Diese Narrovater-Scheme sah man auch beim Narrentreffen 1937 in Elzach im Morgenrock.



                                                     Narrovater (Rechtsanwalt Müller)


                                                      Narrovater 1948 



Die Scheme besitzt ein unbekanntes Fasszeichen.

Merkmale: Die Augenbrauen sind schnitzerisch leicht nach oben angedeutet. Die Scheme hat eine blassgrüne Fassung und besitzt die Sigatur FM (Moser ca. 1932).

Die Scheme verkaufte Rechtsanwalt Müller an das Fasnachtsmuseum Schloss Langenstein. Das Museum schenkte zum Jubiläum der Narrozunft die Scheme zurück.
Die Narrovater-Scheme sah man auch 1938 beim Narrentreffen in Überlingen.


                                                  Narrovater (Keller genannt Bärle)



                                                   Narrovater 1948   



Diese Scheme fasste 1948 Hermann Fischer.

Merkmale: Augenbrauen gemalt, Bart buschig, Signatur FM (Moser)

Sie wurde 1956 in einem Antiquariat in München für 30 DM gekauft. Die Scheme war mehrmals in Villingen an der Fasnet unterwegs.


                                                         Narrovater (R. Riegger)

 
                                                   Narrovater 1948 



Diese Scheme schnitzte, wie auch die Narrovater-Scheme (Bärle), 1948 Friedrich Moser. Die Fassung erstellte Hermann Fischer. Sie besitzt die gleichen Merkmale.



                                                           Narrovater (M. Merz)

 

                                                      Narrovater 1986        


Die Scheme schnitzte und fasste 1986 Manfred Merz. Sie wurde nachgeschnitzt, um den Original-Narrovater ins Franziskaner Museum zu geben. An der Fasnet ist sie als Narrovater beim Umzug zu sehen.


Weitere Narrovater-Schemen sind von Helmut Hogg Villingen, Thomas Straub Villingen, Lang aus Elzach, Kienzler aus Waldkirch und Kammerer aus Nußbach bekannt.



                                  Der Narrovater und die Narrozunft

1880 fand ein Zusammenschluss einer Anzahl wohlhabender Bürger zur weiteren Verschönerung
der Fasnacht statt. Das Ziel war eine Fremdenwerbung für die Villinger Fasnachtsveranstaltungen.


1882 ist die Narrozunft im Gasthaus Felsen gegründet worden.

Albert Fischer schreibt dazu:
„An der Fasnet 1882 reitet der Narrovater auf einem blinden Schimmel mit dem neuen Banner der Zunft an der Spitze der Narros die Straßen der Stadt, und groß und klein freute sich, dass durch die Gründung der Zunft der Fortbestand des von alther beliebten Villinger Narros gesichert war. Der Narrovater auf dem Roß war Xaveri Singer genannt „Nagler Xaveri“.
Xaveri Singer war von Beruf Schmied und als Landwirt tätig.

                                              Vereinsfahne 1882  




1889 Umzugsmotto „ Schlittenfahrt“

                                  Schlittenfahrt 1889




In diesem Jahr ladet der Narrovater zur Generalversammlung in die Zunftstube Schlößle ein.


                                   Generalversammlung 1889



1900 Die Narrozunft stand kurz vor der Auflösung wegen Streitigkeiten. Die Fasnet war früher wie auch heute eine ernste Angelegenheit.


1901 Einladung zur Generalversammlung durch den Narrovater ins Schlößle. Benjamin Grünninger übernimmt das Amt des 1. Zunftmeisters.
Umzüge fanden von 1901 bis 1914 mit Narrovater mit Pferd oder zu Fuß statt .


1902 Der erste bildliche Nachweis vom Narrovater zu Pferd vor dem Riettor. Die gemalte Postkarte von Albert Säger.


                              Postkarte 1902   



Albert Säger war nicht Mitglied der Narrozunft und hat auch in Villingen keine Fasnet gemacht. Er hat sich dafür in der Donaueschinger Fasnet und im Rat der Narrenzunft-Frohsinn Donaueschingen engagiert.


1911 Der Vorstand der Narrozunft B. Grünninger jr. hat zu einem großen Narro- und Masken-Umzug aufgerufen.

 

                                   Fasnetumzug 1911

 
Auch das "Fasnetvergrabe" am Aschermittwoch führte der Narrovater durch.


1912 Umzug
Der kleine Narrovater auf dem Pferd. Dahinter der Narrovater zu Fuß mit einer glatten Narroscheme.

                            Umzug 1912  



1914 Das erste Foto mit dem Narrovater auf dem Ross beim Umzug vor dem alten Gesundheitsamt. Das war die letzte Fasnet vor dem Krieg. Die Pferdedecke malte ein Jahr zuvor Hermann Fischer.


                              Umzug 1914 



Albert Fischer hielt in diesem Jahr als leidtragender Narrovater eine Leichenrede.


1918 Zunftmitglied Ignaz Görlacher in seiner Eigenschaft als Landtagsabgeordneter schrieb zur Fasnetzeit denen im Feld stehenden Narros ein ermutigendes Gedicht:

                                          5. Strophe

                                          Narrovater ischt in Frankreich,
                                          Führer auf der Lokomotiv,
                                          Denkt an d` Fasnet, zieht voll Wut gleich,
                                          Er am Fädli, an der Pfief.

Albert Fischer war Lokomotivführer und damals auch Narrovater.


1919 war keine Fasnet. Doch der Narrovater führte ein Trauerspiel zur Vergrabung der Villinger Fasnet durch.

1920 Die Fasnet fand verstohlen statt. Nur die Kinderfasnet war erlaubt. Viele große Kinder im Häs. Alles junge Narros mit glatter Scheme beim Umzug.


                            Umzug 1920


1921 Nach dem 1. Weltkrieg haben die Buben wieder Rollen geschüttelt.


1925 Gruppe Galawagen mit Narrovater (Haas)

                                Galawagen 1925  



1925 Umzug mit original Narrovater in Villingen. Gastzunft beim Umzug Narrenzunft Elzach.


                                     Umzug 1925 



1925 Erwin Krumm: Radierung mit Narrovater und Elzacher Taganrufer


                                        Radierung 1925



1926 Plakatentwurf von Karl Friedrich Kaiser für die Vereinigung bad. – württemb. althistorischer Narrenzünfte mit dem Narrovater in der Mitte.


                          Plakatentwurf 


1926 Katzenmusik feiert die Fahnenweihe mit Friedel Beck


                                            Fahnenweihe 1926

1927 Großer Kinderumzug mit Narrovater zu Pferd mit Narrogroßvater und Narrogroßmutter in der Kutsche.
Es gab Preise für Gruppen am Zuge:
• Narrogroßvater und Narrogroßmutter in der Kutsche
• Narrovater zu Pferd mit Fahne

Einführung der kleinen Fasnet nach 63 Jahren, zuletzt 1864.
Der Grund: Fasnetverbot für Erwachsene. Ältere Narros gingen wild bei der Kinderfasnet umher.



                           Narrogroßvater und Narrogroßmutter in der Kutsche


                              Narrogroßvater Narrogroßmutter  


1927 Schemeausstellung im Raben


                                 
                            Ausstellung 1927 


1929 Narrogroßvater und Narrogroßmutter auf dem Titelblatt der Narrozeitung


                              Narrozeitung 1929


1932 kauft die Narrozunft aus dem Nachlass der Rabenwirtin mehrere Schemen und Bilder. Darunter der Narrovater, Schloßbur, Stachelfranz und 2 Narrobilder von A. Säger für 161,50 Reichsmark.
Bis 1932 befand sich die Narrovater-Scheme (Original) in Privatbesitz.


1932 Narrovater Otto Mägerle fällt beim Umzug vom Pferd. In der Narrozeitung 1933 machte man sich über ihn lustig.


1933 Sensation! Der Narrovater wird zur Narromutter. Der Narrovater fiel krankheitsbedingt aus. Maria Wöhrle aus der Zinsergasse sprang ein.


                               Umzug 1933      


Bei den Narrentreffen 1936, 1937 und 1938 in Oberndorf, Elzach und Überlingen war der Narrovater beim Umzug dabei.


1939 bis 1948 offizielles Fasnetverbot


1948 Trotzdem feierte man in Villingen wieder Fasnet.



1949 Der Narrovater frisch rasiert in Singen auf der Fasnet. Friedrich Moser schnitzt die Scheme vom "hoorige Bär" Singen.


                                                 hoorig Bär


1949 Narrovater mit neuer Zunftfahne


                                        Narrofahne 1949   


1949 Der kleine Narrovater bekommt beim Prolog eine neue Narrovater-Fahne von den Altvillingerinnen gestiftet.


                                            Prolog 1949  


70ger Jahre
Vom Landesmuseum Karlsruhe wurde die sogenannte Narrenvater-Scheme erworben. Es handelt sich laut Narrozunft um eine Sprech- und Theatermaske.


                                                     Theatermaske



1987 Erhard Fleig malt eine neue Narrovater–Fahne



1993 Narrovater mit sechs Riemen Rollen beim Maschgerelauf

                                   Gedicht von Hans Hauser

                                    De Narro

                                   Siehsch, do kunnt on! Die Postur!
                                   Desch en Narro dur und dur.
                                   Desch on, wie-mern kum no findt,
                                   wo sechs Reame trage kinnt,
                                   Rolle, so wie Kindsköpf, dra,
                                   und dezu no springe ma.


Der Narrovater hat gewettet, dass er mit sechs Riemen Rollen beim Maschgerelauf vom Obere- bis zum Riettor im Narrosprung durch hopst. Der Wetteinsatz waren 260 Puddingberliner. Die Wette hat er bravourös gewonnen. Am Samstag darauf haben sie beim Bäcker Obergfell in der Bickenstraße die Berliner gebacken und in der Rietstraße verkauft. Der Erlös wurde gespendet.



                     Maschgerelauf 1993  



                                   Zum Schluss etwas zum Nachdenken!

Josef Liebermann schrieb 1934 in „Villinger Fasnachtsmasken“:

„In Villingen wird der Sinn für diese Kultur so lange lebendig bleiben, als Heimaterde verstanden wird. Seit Langem ist die Maske Begleiterin des Lebensweges der örtlichen Gemeinschaft. Schicksale kommen Schicksale verschwinden. In diesem einen Zeichen überwinden wir im Jahr einmal des Lebens Not und Trübsal, stärken uns mit dem Lächeln der Weisheit und nehmen dem Leben ein Stück Frohmut voraus“.

Me sieht es het z Villinge über die Jahrhunderte scho schlechtere Ziete gä, um Fasnet z mache. Doch sie hen immer s Beschte drus gmacht und Fasnet gfiret. In Villinge isch d Fasnet halt oner vu de höchste Firtig!



                                                       Ju - huhu!